Tarabuco – ABC

Annelie Dehmel: Die deutsche Besitzerin des Hostels. Sie ist meistens zwischen Oktober bis März in Bolivien (in ihrem Haus in Sucre oder in Cajamarca, kommt aber immer wieder nach Tarabuco). Mit ihr wird dann alles besprochen, was die Arbeiten im Hostel angeht. In der Zeit ihrer Abwesenheit übernimmt das ihr bolivianischer Ziehsohn Ronald. Annelie ist seit über 50 Jahren Entwicklungshelferin und Lehrerin in Bolivien und hat einiges aufgebaut. Sie opfert sehr viel für die Hostels in Tarabuco und Cajamarca und stellt hohe Anforderungen an die Freiwilligen. Aber sie hat viele fruchtbare Ideen, unendlich viel Energie und hat uns sehr motiviert.

Alcaldía: das Rathaus, Arbeitsstelle der Etnoturismo-Freiwilligen. Die Tourismusbeauftragte Gladis ist sehr freundlich und die Arbeit dort interessant und fruchtbar.

Aufenthaltsraum: im Obergeschoss des Hostels, enthält eine kleine, voll ausgestattete Küche, eine Sofaecke, ein Regal mit Büchern, Videos und Unterrichtsmaterial sowie einem Computer ohne Internetanschluss. Sehr gemütlich, man wird von vielen anderen Freiwilligen darum beneidet.

Betten: im Moment haben die Freiwilligen Stockbetten mit bequemen Matratzen.

Bolivianos: die Währung. Sind ungefähr ein Neuntel der Euros wert. Da die Preise hier aber zahlenmässig fast genau mit denen in Deutschland übereinstimmen, bist du ausnahmsweise reich. Trotzdem sollte man aufpassen, wie viel Geld man ausgibt. Das einzige Problem ist das Wechselgeld, es sind zu wenig Münzen da, sodass man immer versuchen muss, seine Scheine kleinzukriegen. Das geht am besten im grossen Laden.

Coliseo: Sport- und Veranstaltungshalle, in der unter anderem Futsal-Tuniere veranstaltet werden.

Dusche: funktioniert entgegen aller Ängste super mit ihrem Durchlauferhitzer, der, wenn man nicht zu viel aufdreht, immer heisses Wasser liefert. Wenn mal wieder der Druck nicht reicht, kann der kleine Tank auf dem Dach über die Pumpe aus dem grossen Tank im Hof aufgefüllt werden.

Dorf-Feste: gibt es eigentlich dauernd. Meistens tanzen dann etwas verkleidete Bewohnergruppen durch die Strassen, man wird von Blaskapellen geweckt, es gibt Messen und Prozessionen und es wird reichlich gesoffen. Während des Karnevals fliegen ausserdem Wasserbomben und kleine Kartoffelknollen und es werden Erntedanktürme aufgestellt. Höhepunkt der Feste ist der Tarabuqueñer Karneval, das Pujllay, ein Tanz- und Erntedankfest, dass massenweise Touristen aus Bolivien und der ganzen Welt anzieht.

Englischunterricht: ist einer der Hauptarbeitseinsätze der Freiwilligen. Möglich im Gymnasium, den beiden Grundschulen und der Abendschule in Tarabuco, ausserdem in Pisili (5 km) und Puka Puka (5km)

Essen: ist mittags im Restaurant auf jeden Fall ausreichend, auch ganz lecker. Wie überall in Bolivien sehr fett- und kohlenhydrathaltig. Einfach immer versuchen, etwas Gemüse oder Salat abzustauben. Als Vegetarier muss man sich an ziemlich eintöniges Essen gewöhnen oder selbst mit Gemüse ergänzen (ein Markt ist um die Ecke).

Freizeit: gibt es trotz relativ ausgefüllter Wochenarbeitspläne immer genug, wenn mal wieder etwas ausfällt. Ausserdem gibt es im Dorf nicht wirklich viel zu tun, sodass Lesen, Gitarre spielen, Sport machen, Karten spielen, Backen… sehr beliebt sind.

Frühstück: besteht aus Brot, Margarine, Marmelade mit Milch (aus Milchpulver) oder Tee. Wenn man Glück hat, findet man auch etwas Obst oder Gemüse in der Küche.

Flöhe: gibt es, vor allem wer viel mit den beiden Katzen kuschelt ist gefährdet. Seltsamerweise suchen sie sich aber ihre Opfer aus. Gegen den Juckreiz hilft Mentisan (kann man in fast jeder tienda kaufen).

Gäste im Hostel: gibt es nicht wirklich viele, aber doch manchmal welche. Da die Hosteleltern Fr/Sa in Sucre sind, hat unser Hostel weniger Einkünfte als es haben könnte.

Gringo/Gringa: wird man/frau von alten Omis und frechen kleinen Kindern auch nach einem halben Jahr Aufenthalt noch genannt Bezeichnet eigentlich Nordamerikaner, aber hier generell alle Weissen. Ist normalerweise nicht böse gemeint.

Gesundheit: Sollte man wirklich ernsthaft krank werden, kann man immer ins örtliche Krankenhaus gehen.

Handwerkliche Arbeiten: gibt es im Hostel immer genug, zum Beispiel Unkraut entfernen, Löcher graben, oder das Hostel verschönern… Bei zusätzlicher Freizeit ist dies eine gute Beschäftigung.

Hostel: besteht aus einem ersten Hof, der von der Küche, dem Restaurant, der Rezeption, der Schneiderwerkstatt, dem Zimmer der Hostelfamilie und dem Spielesalon eingeschlossen wird. Im Hinterhof gibt es ein Blumenbeet, die Werkstatt und das Küchenvorratslager. Im Obergeschoss gibt es ein Freiwilligenzimmer, ein Bad, drei Gäste-Zimmer für Herbergsgäste und den Aufenthaltsraum mit Teeküche.

Hostelfamilie: Die Familie besteht aus den Eltern Alberto und Marlene und den beiden Söhnen Mauricio und Steven. Alberto ist 31 Jahre alt und vor allem für die Freiwilligen und die handwerklichen Arbeiten im Hostel zuständig. Marlene ist 30 Jahre alt und kocht unter der Woche mithilfe von Aurelia, der Küchenhilfe, das Mittagessen fürs Restaurant und die Freiwilligen. Mauricio, der ältere Sohn, ist 11 Jahre alt und lebt während der Schulzeit in Sucre bei seiner Oma, verbingt aber die Ferien in Tarabuco. Steven ist 4 Jahre alt und erfüllt alle Klischees eines Einzelkindes…

Internet: gibt es in einem Internetladen an der Plaza. Leider ist die Verbindung unzuverlässig.

Jugendliche: Die meisten verlassen nach ihrem Schulabschluss ihr Dorf, um in der Stadt zu studieren oder zu arbeiten. Deshalb ist es in Tarabuco nicht einfach, Freundschaften mit Gleichaltrigen zu schließen.

Klima: ist relativ gleichmässig. Im Winter (Juni-September) ist es trocken und wüstig, tagsüber scheint also immer die Sonne und man kann in T-Shirt und kurzer Hose rumlaufen, aber es ist abends und nachts ziemlich kalt. Dafür ist Tarabuco berümt, aber mit Pullis, Schlafsack und Wärmflaschen (als „Biopren“-Ersatz) hält man es gut aus. Dafür ist im Sommer, d. h. von November bis März „Regenzeit“, was weniger heisst, dass es die ganze Zeit monsunartig durchregnet, als dass es ungefähr jeden Tag mal so regnet wie bei uns auch im Herbst und Winter… und alles schön grün wird. Es ist dann tagsüber oft etwas kühler, da es eher bewölkt ist, aber insgesamt nicht so frostig. Es gibt aber nie so Extreme wie in Deutschland mit 35 º oder Schnee. Wichtig ist, warme Kleidung für die kalten Tage mitzubringen.

Lage: Tarabuco liegt 65 km per Asfaltstrasse von Sucre entfernt, was echt eine gute Distanz ist. Man hat keinen Grossstadt-Trubel, aber merkt den Einfluss der Stadt und kann auch schnell mal die anderen besuchen fahren. Ausserdem liegt das Dorf auf 3280 m Höhe, was am Anfang etwas Atemnot und Frösteln verursacht, bald aber schon gar nichts Aussergewöhnliches mehr ist.

Läden: hier auch tiendas genannt, gibt es ziemlich viele. Sie verkaufen eigentlich alle das Gleiche: Kekse, Cola, Mülltüten, Mehl, Eier… und ein paar von ihnen haben spezielle Sachen wie Gemüse, Milch, Käse und Konserven. Ausserdem: kleiner Markt um die Ecke täglich sowie grosser Wochenmarkt Sa/So in den Strassen um das Hostel.

Magenbeschwerden: haben viele Freiwillige, vor allem am Anfang und von Strassenstandessen oder vom Leitungswasser (Wasser auf jeden Fall abkochen). Am besten langsam dran gewöhnen und Vomex, Kohletabletten und Elektrolytlösung immer griffbereit haben. Vielleicht hast du aber auch gar keine Probleme, so verseucht ist Bolivien auch wieder nicht.

Natur: ist echt atemberaubend. So weit das Auge reicht nur Berge und Felder, und ab Januar wird das Ganze dann auch noch schön grün und es gibt Blumen. Echt toll.

Notdienst: hat das Krankenhaus im Ort immer, und kleine Operationen können sie sogar auch durchführen. Also keine Angst, falls du z.b. nachts mal ein Problem hast.

Obst: gibt es nicht wirklich viel, hauptsächlich Äpfel und Bananen, sonntags auch mal Mangos und Birnen und im Februar auch Trauben, Granatäpfel und Quitten. Musst du aber selbst kaufen, um deinen Vitaminhaushalt aufrechtzuerhalten.

Öl: ist in jedem Essen reichlich vorhanden, sogar Nudeln und Reis werden vor dem Kochen frittiert, damit sie nicht zusammenkleben… Ziemlich ungesund, aber man gewöhnt sich daran.

Putzen: müssen die Freiwilligen natürlich ihre Zimmer und Bäder und den Aufenthaltsraum, ausserdem den oberen Gang und die Aussentreppe. Dafür kann schonmal ein Wochenende draufgehen, aber wenn alle mithelfen ist es lustig und selbst der faulste Freiwillige lernt, den Mopp zu schwingen…

Puka Puka und Pisili: zwei indigene Gemeinden je 5 km von Tarabuco entfernt. Eine Fahrrad – oder Wandertour dorthin lohnt sich schon allein wegen der Landschaft und um verschiedene Dörfer kennenzulernen.

Pujllay: grösstes kulturelles Event des Jahres. Eine Art Erntedank-Karneval-Fest, das gleichzeitig an einen grossen Sieg der Tarabuqueños über die Spanier erinnert (Batalla de Jumbate). Es werden farbenprächtige Kostüme und spezielle Musikinstrumente ausgepackt und ein grosser, mit Nahrungsmitteln behängter Turm (Pukara) aufgestellt. Es dauert nur einen Tag, und doch quellen die Herbergen über mit Touristen aus Frankreich, Japan und dem Schwarzwald.

Quechua / Quishwa: die indigene Sprache der Quechuaindianer, die in Tarabuco und Umgebung verhältnismässig weit verbreitet und lebendig ist. Viele Kinder oder alte Menschen sprechen nur Quechua, sodass du zwangsläufig einige Wörter mitnehmen wirst. Vielleicht hast du auch das Glück, in einer der Schulen mit in den Quechuaunterricht zu gehen. Im Gegensatz zu Alberto kann Marlene Quechua, bei ihr kann man die wichtigsten Vokabeln lernen.

Restaurant: grosse Einnahmequelle des Hostels und eine Arbeitsmöglichkeit für die Freiwilligen. Es muss Suppe und Hauptgericht mit Besteck und Getränk serviert und später abgerechnet werden. Für diese Arbeit braucht man gute Nerven, da es oft hektisch zugeht und vom Gebrüll des dreijährigen Sohnes begleitet wird.

Reisen: kann man in Bolivien sehr gut, weil zum Beispiel im Dezember-Januar, an Karneval, an Ostern und auch im Juli-August über lange Zeiträume kein Unterricht stattfindet und man sich also freinehmen kann. Ausserdem ist das Reisen relativ billig, was sich schlagartig zu europäischen Preisen ändert, wenn man nach Argentinien, Chile oder Peru reist. Aber auch diese Länder sind wohl äusserst sehenswert.

Stadtführungen: werden vom Rathaus mit jugendlichen Führern angeboten. Es gibt Informationsmaterial zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten (zum Beispiel der alte Bahnhof) und Überlegungen zu einer Tour durch die Umgebung, mit Übernachtung.

Sucre: Hauptstadt Boliviens und nur eineinhalb Fahrtstunden entfernt. Hier wirst du oft Wochenenden etwas spannender gestalten als im Dorf. Schöne Stadt mit vielen Cafés, Bars, Aussichtspunkt mit genialem Restaurant, Karaokebars und ein paar Clubs.

Sonntagsmarkt: wöchentliche Attraktion und fast einziger Anlass für Touristen und andere Freiwillige, mal nach Tarabuco zu kommen (dagegen versucht die Tourismusabteilung etwas zu unternehmen…). Es gibt tolle Touritextilien, Obst und Gemüse, Gebrauchsgegenstände und Souvenirs. Aber still ist das Dorf auch schön.

Sport: zu machen ist hier nicht so ganz einfach. Die Andenluft macht einem doch zu schaffen. Joggen, Fahrrad fahren und Fussball/Basketball sind mit etwas Überwindung allerdings möglich und sehr sinnvoll, um das Gewicht zu halten.

Tollwut: Die Hunde mit dem grünen Bändchen sind geimpft. Nachts sind sie etwas agressiver, meistens bellen sie aber nur und beißen nicht.

Trufi: so heissen die Minibusse, die zwischen Sucre und Tarabuco pendeln. Innnerhalb der Stadt heissen sie Micros und für weitere Strecken (z. B. nach El Villar) Flota.

Touristen: gibt es hier aus aller Welt, vor allem aus Frankreich, Holland, Argentinien und Deutschland. Man freut sich immer, wenn sie sich auch ins Hostel verirren. Besonders lustig sind Exemplare mittleren Alters, die sich in Partnerlooktrekkingklamotten auf den Sonntagsmarkt begeben…

Urlaub: hast du wohl auch insgesamt 24 Tage, das sind an Arbeitstagen sogar fünf Wochen. Den sollte man am besten – nach Absprache – in den Schulferien nehmen, aber die sind lang und es ist auch häufig keine Schule…sodass man gut Urlaub nehmen kann.

Verbrechen: Tarabuco ist harmlos. In Sucre muss man in manchen Vierteln nachts aufpassen, aber Bolivien ist längst nicht so gefährlich, wie manche sich Südamerika vorstellen.

Verfallsdatum: sollte man immer kontrollieren. Wie in so vielen anderen Fällen auch, ist in Bolivien jeder für sich selbst verantwortlich und wird nicht unbedingt durch den Staat, den Verbraucherschutz etc. davor bewahrt, mal „ins Messer zu rennen“.

Wochenplan: wird vor allem von Annelie verlangt. Wenn ihr Lust habt, solltet ihr auch eure Zeiten so koordinieren, dass immer jemand im Rstaurant helfen kann.

Wäsche waschen: kann man neuerdings in der Waschmaschine, die auch für die Bettwäsche angeschafft wurde. Ausserdem wäscht sie natürlich kalt, sodass man zumindest Unterwäsche lieber mit etwas auf dem Herd erwärmtem Wasser per Hand waschen oder in Sucre zur Wäscherei bringen sollte. In Zeiten der Wasserknappheit muss man eh nach Sucre fahren um waschen zu können.

Wasser: gibt es vor allem im Zeitraum Dezember bis April/Mai. Danach gibt es häufig eine Wasserknappheit. Es gibt auch Wochen in denen es gar kein Wasser gibt. Sollte es ganz schlimm kommen, kann man am Wochenende nach Sucre fahren, um sich dort zu waschen. Die Alcaldía hat aber versichert, sich um dieses Problem kümmern zu wollen. Mal abwarten…

Weihnachten: am 24. tanzen abends alle, vor allem Kinder, um eine Jesusgipsfigur herum, und vielleicht stellen sie auch einen Tannenzweig auf. Um zwölf geht es in die Messe, wo jeder sein Christuskind mitnimmt und bei der Segnung mit nach vorne bringt. Dann müssen die Kinder schlafen und die Erwachsenen tanzen weiter andere Tänze und besaufen sich. Am nächsten Tag ist dann das eigentliche Fest, was aber in vielen Fällen nur heisst, dass man seine neusten Kleider anzieht. Die Kinder, die auf dem Land wohnen, bekommen keine Geschenke, aber dafür ist bis zu den Heiligen Drei Königen am 6. Januar jeder Tag wie Weihnachten mit Jesuskind aus Gips verehren und tanzen… Die reicheren Kinder bekommen jedes Jahr diese neue Kleidung, die man anzieht, neu gekauft, und auch Spielzeug. Allerdings gibt es nicht so einen Kult mit Geheimnis, Weihnachtsmann, Kinder rausschicken, geschweige denn, Geschenke überhaupt verpacken und zu einem bestimmten Zeitpunkt überreichen… Die Kinder gehen vielmehr mit ihren Eltern auf bestimmte Geschenkmärkte und probieren die Klamotten an, suchen sich die Spielzeuge aus. Einmal gekauft verbleiben die „Geschenke“ bei den Kindern, die sie aufheben, um dann am 25. Dezember darin gekleidet rumzulaufen und damit zu spielen.

Yamparaez: liegt auf der Hälfte der Strecke zwischen Sucre und Tarabuco und ist Hauptstadt der Provinz, in der die Gemeinde liegt.

Zimmer: es gibt ein schönes, grosses Freiwilligenzimmer.